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27.06.2011 -- alo/hri -- Ort: Kraftwerk Rheinfelden

Führung im neuen Kraftwerk Rheinfelden

Bericht von der Führung im Kraftwerk Rheinfelden vom 27.6.2011 von Alo, dem Schreiber


Der B@sler St@mmtisch im neuen Kraftwerk Rheinfelden

 

Geht es Euch auch so? Wenn ich an einem Fluss stehe, spüre ich voller Wonne wie das Wasser fliesst. Und je breiter oder wilder der Fluss, desto eindrücklicher das Schauspiel.

 

Was passiert aber, wenn wir den Fluss stauen? Das wollten die B@sler St@mmtischler heute genau wissen und fuhren nach Badisch-Rheinfelden.

 

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Gestaut wird natürlich zum Zweck der Energie-Produktion. Wir alle brauchen doch Strom und wir wissen: bevor dieser aus der Steckdose quillt, muss er produziert werden. Auf welche Weise das am besten geschieht, darüber wird kräftig gestritten. Einig ist man sich darin, dass Energieproduktion ohne Auswirkungen auf die Umwelt nicht möglich ist. Optimisten sagen: ‚noch nicht‘. Unser Besuch beim neu erbauten Flusskraftwerk Rheinfelden lehrt uns allerlei.Zunächst braucht dieses Kraftwerk keinen Rohstoff zu kaufen, er fliesst einfach

so in die Turbine. Automatisch. Wir lernen, dass es doch nicht so einfach ist.

 

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Die neue Anlage (Baujahr 2003-2011) ersetzt die frühere, in 4 Jahren gebaut und 1898 eingeweiht. Die Turbinen haben also über 100 Jahre ihren Dienst geleistet. Auch für das neue Kraftwerk wird eine Lebensdauer von etwa 80 Jahren gewünscht, denn rund 40 Jahre braucht es, bis die Kosten voll amortisiert sind. Die frühere Anlage leistete bei 600 m³/sek. Durchfluss pro Sekunde etwa 26 Megawatt. Die neue bringt 100 MW bei einem Durchfluss von 1500 m³/sek. Doch was nützt die schönste Theorie, wenn Petrus seine Flüssigkeit zurückhält. So kann das Kraftwerk heute nicht Volllast laufen, weil nur etwa 1000 m³/sek. Wasser eintreffen. Vor einigen Wochen war es aufgrund der trockenen Monate noch viel weniger.

 

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Der Stau eines Flusses behindert nicht nur eine allfällige Schifffahrt (in Rheinfelden gibt es nur Privatboote, die gegen Bezahlung vom Oberwasser ins Unterwasser gebracht werden), auch Fische könnten nicht mehr flussaufwärts und -abwärts schwimmen, wenn der Mensch sich nicht Fischtreppen ausgedacht hätte. Neben einem einfachen Modell auf Schweizer Seite wird am deutschen Ufer über etwa 2 km Länge ein künstliches Flussbett aufgebaut, wo die Fische in einem natürlichen Umfeld ohne grosse Turnübungen flussauf kommen, bis dann nach wenigen Kilometern das nächste Kraftwerk in einem neuen Kraftakt bezwungen werden muss.

 

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Viel Geld wird auch zur Landschaftspflege ausgegeben; das Kraftwerk wird auf Schweizer Seite nur durch einen Tunnel zugänglich sein und die heute sichtbaren Eingriffe durch Aufforstung ausgeglichen. Im Gegensatz zum alten Kraftwerk wird kaum eine Baute die Sicht von Deutschland auf den Schweizer Wald und von der Schweiz auf das Rheinfelder Industriegebiet beeinträchtigen. Dazu brauchte es wie fast für alles hier einen Staatsvertrag. Selbstverständlich auch für die fifty-fifty-Verteilung des erzeugten Stroms zwischen D und CH. Hoffen wir, dass diese Teilung in den nächsten 100 Jahren genau so problemlos funktionieren wird wie im letzten Jahrhundert.

 

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Nach einer sehr informativen Powerpoint-Präsentation führte uns Herr Simon Kuner zur Baustelle. Die technischen Anlagen sind fertig und alle 4 Turbinen produzieren; stolpern kann man noch über einige Kabel, Paletten u.ä. Eindrücklich sind für uns die neuen Anlagen im Maschinenhaus. Intensiv wird noch an der Renaturierung und neuen Flussgestaltung am deutschen Ufer gearbeitet.

 

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Baustellen schnuppern schafft Hunger, aber Organisator Hansruedi hat vorgesorgt und im Schloss Beuggen ein währschaftes Mittagessen bestellt. Suppe, Salate, Hauptspeisen, Beilagen, Gemüse, Dessert, Tafelwasser, und das alles für zwölf Euro. Das Getränke-Management ist zwar etwas kompliziert – wär hät Euro-Münz? und der Parcours vom Buffet über die schiefe Ebene zum Tisch etwas ungewohnt – aber das Essen schmeckt gut und, was bei den 30 Grad draussen wichtig ist, im historischen Haus ist es schön kühl, ganz ohne Energie vom Kraftwerk.

 

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Sichtlich zufrieden machte sich unsere Gruppe auf den Heimweg. Bleibt der Dank an Hansruedi für die gute Organisation.

 

Dabei waren Doris, Elsbeth, Erika, Hans, Hansruedi, Markus, Walter, Yvonne, Alo der Schreiber, sowie Peter und Sandra aus Biel als Gäste.

 

Bilder: Walter Diener