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THEMA: In Elsass' Norden

In Elsass' Norden 29 Nov 2018 11:18 #1

Wir kennen vor allem den Süden des Elsass; er ist von Basel aus bequem erreichbar. Und wir kennen die vielen schönen Städtchen an der Weinstrasse von Colmar bis Barr. Hier lohnt es sich zu verweilen, auch wenn einzelne Orte in der Saison von Touristen überlaufen sind.

Heute lassen wir das links liegen, fahren zügig über die Autobahn nach Norden, biegen nach Sélestat links ab und reisen via Molsheim direkt nach Saverne (deutsch: Zabern).

Wer in die Kleinstadt einfährt, sieht von weitem das Château des Rohan, auch das Versailles des Elsass genannt. Die Familie Rohan stellte im 18 Jahrhundert vier Fürstbischöfe, die hier ihre Kanzleien, Gerichte usw. einrichteten. Das Gebäude wirkt mit seinen 140 m Fassade sehr imposant, insbesondere vom Yachthafen und vom Rosengarten her.







Vom grossen Parkplatz aus führt uns der Weg um dieses Schloss, wo heute eine Schule, die Jugendherberge und das Museum untergebracht sind, zum Stadtzentrum mit seinem neu angelegten Hauptplatz. Die Altstadt lädt zu einem Bummel und Boulevard-Cafés zu einem Espresso.





Mitten durch die Stadt führt auch der Rhein-Marne-Kanal, der 1853 eröffnet wurde und zur industriellen Entwicklung beitrug. Eine seiner 154 Schleusen liegt direkt an der Hauptstrasse im Stadtzentrum und erlaubt, den Durchgang eines Bootes genau zu verfolgen. Heute sind vor allem Hausboote von Touristen unterwegs.





Saverne liegt am Uebergang nach Lothringen, da wo der Vogesenkamm nur 6 km breit und nur 400 m hoch ist. Seit der Römerzeit waren hier deshalb wichtige Strassen zu überwachen. Wirksame Befestigungen wurden gebaut und die Gegend war oft in Kriege verwickelt.

Später nutzte man die gute Lage als Durchgang für die Eisenbahn, den Kanal und für die Autobahn Strassburg-Luxemburg.

Von den vielen Ausflugsmöglichkeiten wählen wir heute diejenige nach Westen, dem Kanal entlang. Kurz nach Lutzelbourg – wo Hausboote zu mieten sind – kommen wir zum 'Plan incliné' von St-Louis-Arzviller, einem Schiffshebewerk, das die Boote einschliesslich Wasser auf einer schrägen Ebene hebt. Damit werden 17 frühere Schleusen umgangen. Eine gleiche Anlage soll es nur noch in Belgien geben und weit weg am Jenissej.



Als Besucher kann ich auf einem Ausflugsschiff die Anlage runter und wieder hoch fahren. Mehr dazu auf www.plan-incline.com

Wer Zeit hat und den Kanal geniessen will, mietet gleich von zuhause aus ein Hausboot. Damit lässt sich mit 6-10 km/h gemütlich durch die Landschaft tuckern. Die Strecke von Saverne oder Lutzelbourg westwärts ist besonders vielseitig, denn nebst dem genannten Hebewerk fahren wir durch einen Kanaltunnel von 1,8 km Länge aus der Zeit von 1850 und über eine Schleuse von über 15 m Höhendifferenz. Deren Passage erfordert volle Aufmerksamkeit.

Ich habe diese eindrückliche Fahrt von etwa 20 Jahren erlebt. Mit 8 Personen haben wir zwei Boote gemietet und waren eine Woche auf dem Wasser. Tolle Erinnerungen sind noch da, aber Fotos trotz langem eifrigem Suchen nicht mehr auffindbar.



Auf dem Rückweg nach Saverne besuchen wir noch das Kloster Marmoutier. (deutsch Maursmünster). Es gehört zu den frühesten religiösen Baudenkmälern des Elsass und wurde schon im 6. oder 7. Jahrhundert, möglicherweise von irischen Mönchen, gegründet.
728 wurden die Benediktiner-Regeln eingeführt und Abt wurde Maurus, nach dem das Kloster bald benannt wurde. Bleibt noch zu bemerken: Schon im Jahre 1144 wurde in der Forstordnung des Klosters festgehalten, nicht mehr Holz zu schlagen als nachwächst. Eine frühe Tat zu dem, was wir heute Nachhaltigkeit nennen.





Von Saverne aus lohnt sich auch ein Ausflug nach Norden, beispielsweise über das hübsche Städtchen La Petite-Pierre (Lützelstein) nach Bitche (Bitsch) mit seinen gewaltigen Befestigungsanlagen. Dann weiter der Grenze zu Deutschland entlang nach Wissembourg, wo eine mittelalterliche Altstadt lockt.

Wir fahren dieses Mal über Molsheim zurück und besichtigen noch mit Freude diese ehemalige Bischofs- und Universitäts-Stadt. Die Jesuiten, welche die Universität führten, überliessen der Nachwelt hier eine sehr grosse Kirche mit einer Orgel des Meisters Jean-André Silbermann. Für Auto-Fans ist noch wichtig, dass in Molsheim die berühmten Bugattis hergestellt wurden.



(Bild 112d+113d)

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Letzte Änderung: von aloisius.
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