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THEMA: Auf den Spuren meines Namenspatrons

Auf den Spuren meines Namenspatrons 09 Sep 2017 11:00 #1

  • aloisius
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Wir Senioren/innen haben fast alle einen Vornamen, der auf die Bibel oder eine/n Heilige/n der christlichen Kirchen zurückgeht. Bei mir ist es der Heilige Aloisius von Gonzaga, trotz seines nur kurzen Lebens eine bekannte und beliebte Persönlichkeit der Kirche.


Statue des heiligen Aloisius in Rom - Foto aus kirchenseite.de

Geboren 1568 im Familienschloss der Grafen von Gonzaga in der Nähe
von Mantua in Oberitalien, führte ihn sein Lebensweg als Page in die Höfe
von Mantua, Florenz und Madrid. Das ausschweifende Leben dort gefiel
ihm nicht, er wollte sein Leben in Reinheit Gott und der Kirche widmen.

Gegen den Willen des Vaters trat er seine Besitzansprüche an seinen
Bruder Rudolf ab und trat in Rom den Jesuiten bei. Dort kümmerte er
sich um die Bildung der Jugend und war auch als Krankenpfleger tätig.
Dabei wurde er bei einer Pest-Epidemie angesteckt und starb in Rom
am 21. Juni 1591.

Aloisius ist Patron der Jugend, der Studierenden, bei der Berufswahl, gegen Pest und Augenleiden, sowie der Stadt Mantua. Er wird oft dargestellt mit einer Lilie als Zeichen der Reinheit oder mit einem Kruzifix. Vielfach wirken die Bilder auf den heutigen Betrachter etwas süsslich, doch es geht auch anders.

Im fussballverrückten Stadtteil Schalke von Gelsenkirchen wird der beliebte Heilige in einem Glasfenster der St. Josephskirche tatsächlich mit einem Ball zwischen den Füssen abgebildet. Schuhe, Stutzen und Ball zeigen die Farben blau/weiss des Bundesligisten Schalke 04.

Der Bischof fand das Bild nicht gerade toll, er hatte aber wohl wichtigere Themen.


Foto: Joseph-Schalke.de

Vor einigen Jahren war ich in der Toscana, und beim Studium der Autokarte fand ich einen Ort 'Gonzaga', gar nicht so weit vom vorgesehenen Heimweg entfernt. Also fuhren wir hin.

Wir kommen um 12.00 Uhr dort an und bummeln kurz durch die menschenleere Stadt. Das Schloss und einige Gebäude sind sehr schön renoviert. Die Kirche ist geschlossen, nirgends ein Hinweis auf Aloisius.

Im Vorbeifahren finden wir noch eine andere Kirche, die gerade renoviert wird. Als wir anhalten, kommt schnell ein Arbeiter vom Gerüst und begrüsst uns mit einigen Brocken Schweizerdeutsch (5 Jahre Muratori in Wettingen). Er bietet uns an, dass wir die Kirche trotz Bauerei besichtigen könnten, wir sollten einfach im Pfarrhaus läuten. Das tut er denn auch sofort, obwohl wir die Geistlichkeit ja nicht in der Siesta stören wollen.

Eine ältere, sehr freundliche Dame erklärt uns dann, dass dieses Gotteshaus dem San Benedetto, also dem heiligen Benedikt geweiht sei, und nicht dem Aloisius. Sie würde oft nch dem Aloisius von Gonzaga gefragt, und sie müsste die Leute dann jeweils nach Castiglione delle Stiviere schicken, da Aloisius dort – etwa 60 km nordwestlich – wohnte und dort eine Basilika zu Ehren des Heiligen bestehen würde. 'Aloisius von Gonzaga' sei sein Name und habe nichts mit diesem Ort zu tun.

Wir bedanken uns bei der freundlichen Dame ebenso freundlich, vergessen vor lauter Freude allerdings die Besichtigung der San Benedetto-Kirche, und sind schon unterwegs zum angegebenen Ziel. Um Mantua herum geht die Reise, immer auf Landstrassen und praktisch immer eingekeilt zwischen mehreren Lastwagen vorn und hinten, die durch alle Orte mit 70 Sachen brausen, und wir damit auch. Wir können gar nicht anders.

Castiglione delle Stiviere emtpuppt sich als reizendes Städtchen, in dessen Mittelpunkt der schon bekannte Dom zu Ehren des Aloisius steht, den wir sofort betreten.



Nach dem Eingang rechts sehen wir Bilder aus demLeben des heiligen Jünglings. Dann geht es zu den Reliquien hinter dem Hauptaltar. Hier ist der Schädel des Heiligen aufbewahrt, während sich der Rest des Körpers in Rom befinden soll. Es ist für mich sehr eindrucksvoll, aber auch etwas makaber, den nackten Totenkopf meines Namenspatrons zu sehen.



Nachdem wir den Obolus bezahlten und die entsprechenden Kerzen brennen, wenden wir uns dem Palais neben der Kirche zu, wo das Aloisianische Museum untergebracht ist. Etwas bürokratisch steht beim Eingang, dass man nur nach Voranmeldung und nach diversen Einschränkungen hier hinein kommt. Ich will um eine Ausnahme bitten, da wir ja von weit her kommen, aber die Nonne beim Eingang hat eben einen anderen Besucher barsch abgefertigt und schaut mich böse an. Ich traue mich nicht mehr, etwas zu sagen. Ob das dem Willen des Heiligen entspricht? Nehmen wir an, dass die Dame nur eine schlechte Viertelstunde hatte.



Gleich neben Castiglione delle Stiviere liegt Solferino. Da war doch auch was wichtiges los. Vielleicht gibt das Stoff für die nächste Reportage. Also zurück zum Aloisius.

Die Beliebtheit des Namens Alois war nicht nur im Ruhrpott gross, sondern in vielen, vornehmlich katholischen Gegenden in Mitteleuropa. So zum Beispiel in meiner Heimatgemeinde in der Ostschweiz.

Dort wurde im Jahre 1880 ein Aloisius-Verein gegründet, dem nur beitreten darf, wer diesen Vornamen trägt. Den Verein gibt es heute noch, aktuell sind 18 Personen dabei, worunter 1 Aloisia. Man hat sich also der Weiblichkeit geöffnet und ebenso geografisch; die Reichweite wurde auf den ganzen Bezirk ausgedehnt.

Schon zu Zeiten meines Vaters – natürlich auch er ein Namensträger - lag die Tätigkeit des Vereins hauptsächlich im geselligen Bereich. Der Verein unternahm mehrtägige Reisen; mein Vater schwärmte oft noch davon. Scheinbar haben sie es nie bis zur Quelle nach Castiglione geschafft.

Was in den Anfangsjahren des Vereins passierte, ist fein säuberlich protokolliert, nur kann die alte deutsche Schrift heute kaum mehr jemand lesen.


Foto: Aloisius-Verein

Schön dass die Tradition des Vereins weiter besteht, obwohl der Vorname seit den 1960er Jahren wie der Fritz, der Hans und der Max auch aus der Mode gekommen ist. Aber das kann ja wieder ändern. Bis dann trage ich – wie die hier gezeigten Mitglieder des Aloisius-Vereins - den Namen mit der jahrhunderte-langen Tradition mit ein bisschen Stolz.


Foto: Aloisius-Verein

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Letzte Änderung: von aloisius.

Auf den Spuren meines Namenspatrons 09 Sep 2017 14:48 #2

Einen äusserst interessanten Beitrag hast du geschrieben Alois, danke dafür.
Die Suche nach der Geschichte des Heiligen und des Aloisius-Vereins hat dich sicher länger beschäftigt. Das regt an zu weiteren Recherchen.
Wenn du möchtest, könnte ich die handgeschriebenen Schriftstücke übersetzen in allgemein lesbare Dokumente.
Gruss Erwin

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Auf den Spuren meines Namenspatrons 09 Sep 2017 17:17 #3

Oh, das ist interessant. Ich hatte in der Familie meines Mannes (ein Luzerner Geschlecht), ebenfalls mit dem Namen Kontakt, Mein Schwiegervater, den ich leider nie kennen lernen durfte da schon früh verstorben, war ein Alois, und mein Schwager, der älteste Bruder meines Mannes, trug diesen Namen ebenfalls. Er wurde zwar meist mit der Koseform genannt, also Wisi.
Jetzt weiss ich also, woher das kommt und das ist immer wissenswert. Danke!

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