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THEMA: Vor 100 Jahren - Die Schlacht bei Verdun

Vor 100 Jahren - Die Schlacht bei Verdun 03 Nov 2016 09:46 #1

Verdun, das war eine der grausamsten Schlachten im 1. Weltkrieg, genau vor 100 Jahren. Kein Jubiläum gilt es zu feiern, aber vielleicht sollten wir an die vielen Gefallenen denken. Für sie wurden auch mehrere imposante Gedenkstätten gebaut.





Verdun war vor allem eine Artillerie-Schlacht. Die Deutschen griffen in engstem Raum mit 1500 Geschützen an. Die Franzosen verdreifachten Ihre Artillerie rasch auf eine ähnliche Grösse. Alle zusammen schossen 60 Mio. Granaten ab, pro Hektare fielen also 50 Tonnen Stahl, pro Quadratmeter 5 Kilogramm. Der gleiche Boden wurde mehrfach umgepflügt. In diesem Stahlhagel musste die Infanterie leben und immer wieder angreifen. Die Artilleristen hatten es kaum besser, sie wurden auch direkt beschossen und Kanonen und Fahrzeuge versanken schon mal im Schlamm.

Die Deutschen suchten einen Durchbruch, der Oberbefehlshaber Generalstabschef von Falkenhayn setzte die 5. Armee unter dem Kommando des Kronprinzen Wilhelm ein. Er wollte die französische Armee hier ausbluten lassen und sich nachher die englischen Interventionstruppen vornehmen. Später hat er das später zwar widerrufen, der Angriff auf das stärkste und für Frankreich symbolträchtige Bollwerk lässt trotzdem darauf schliessen. Er hätte ja anderswo leichter angreifen können…

In den Schützengräben lagen bei unmenschlichen Bedingungen die Infanteristen, Familienväter und junge Männer, die nichts sehnlicher wünschten als nach Hause zu gehen. Hunderttausende Deutsche glaubten den Aussagen ihrer Offiziere, dass der Sieg nahe sei: ‚nur noch diese Höhe, nur noch dieses Fort, dann ist es geschafft, wir haben gesiegt und der Krieg ist fertig‘.

Die französischen Truppen wurden alle 10-14 Tage abgelöst (siehe unten), im Hinterland gut verpflegt und auch mit Wein bei Laune gehalten. Dadurch kamen etwa 80 % des französischen Heeres in Verdun zeitweise zum Einsatz. Die Deutschen mussten länger an der Front ausharren, zum Teil bis etwa 60 % der Bestände vernichtet waren. Ihnen fehlten die Reserven, sie brauchten ihre Truppen auch in Russland und ab Juli 1916 an der Somme.

Die Schlacht begann am 21. Februar 1916, ab 12. Juli wollten sich die Deutschen zurückziehen, bzw. Truppen an die Somme schicken, konnten sich aber nicht lösen. So dauerte die Schlacht bei Verdun bis zum 16. Dezember 1916.

Die Verluste betrugen bei den Franzosen 314‘000 und bei den Deutschen 323‘000 Mann. Gefallen, verletzt, verkrüppelt. Und die Ueberlebenden wohl ein Leben lang psychisch angeschlagen, traumatisiert. Ein wesentlicher Geländegewinn entstand nicht, der Frontverlauf war ungefähr wie vorher. Zu so viel Verachtung von Menschenleben durch die Generäle und ihre politischen Chefs - die Monarchen Deutschlands, Englands und Russlands waren ja auch verwandtschaftlich verbunden - finde ich keine Worte.



Schauen wir uns noch die eindrückliche Logistik an, die von den Franzosen unter der Bezeichnung Noria aufgebaut wurde, um die Versorgung und die Ablösungen der Truppen zu ermöglichen. Dieses System zeigte sich dann als massgeblicher Erfolgsfaktor.

Der meiste Nachschub erfolgte über Bar-le-Duc, 75 km südlich von Verdun. Von hier bestand allerdings nur eine Schmalspurbahn, die max. 800 Tonnen pro Tag transportieren konnte. Das 10-fache wäre nötig gewesen. Man beschloss, die Bahn für den Transport der Verpflegung und den Rücktransport der Verwundeten zu benützen und für Nachschub und Truppen-Rotation in aller Eile eine neue Strasse zu bauen.

Hier mussten pro Woche 90‘000 Mann und 50‘000 Tonnen Kriegsgerät und Munition transportiert werden. Dazu wurden 9‘000 Camions eingesetzt, die im ganzen Landrequiriert wurden. Tag und Nacht alle 14 Sekunden fuhr ein Lastwagen die Strecke. Der Strassen-Unterhalt musste bei laufendem Verkehr gesichert und Fahrzeuge mit Panne direkt in den Strassengraben gekippt werden. Die Durchschnitts-Geschwindigkeit der Camions betrug 15-20 km/h und die Chauffeure mussten bis zu 18 Stunden täglich am Steuer ausharren.



Für Millionen von Soldaten war diese Fahrt von Bar-le-Duc nach Verdun die erste Autofahrt ihres Lebens, und für viele auch die letzte. Für die Führung war diese Logistik ein Erfolg, der als Vorbild für die späteren Schlachten diente.



Nach dem Krieg benannte ein Dichter diese Strasse als „Voie Sacrée“ ‚Heilige Strasse, in der Soldatensprache wohl eher als ‚verfluchte Strasse‘ gemeint. Sie behielt diesen Namen über Jahrzehnte und war lange die einzige Strasse Frankreichs, die keine offizielle Strassen-Nummer kannte.

Wer diese Strasse heute befährt, findet regelmässig die besonderen Kilometer-Steine und an einigen Orten Darstellungen zur Erinnerung.




Fotos: aloisius
Quellen: Christian Zentner: „Illustrierte Geschichte des 1. Weltkriegs“
voie-sacrée.com
wikipedia

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Letzte Änderung: von aloisius.
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