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22.01.2017 -- Bernhard Schindler / hri

Von der Linien-Treue zu Farb-Sinn und Ambiance

Gedanken von Bernhard Schindler zur Monet Ausstellumg in Riehen


Anlässlich des 20. Geburtstages der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel widmet die private Kunststiftung einem ihrer bedeutendsten Sammlungskünstler eine einzigartige Ausstellung:

 

Claude Monet (1840 - 1926)

 

 

Die ab heute bis 28. Mai laufende Schau von 62 Werken aus verschiedenen Jahrzehnten zeigt Monets Bildwelten, die vor allem wegen ihrer dichten Atmosphäre, ihren subtilen Farbtönen und märchenhaften Stimmungen begeistern. Monet und seine Kollegen verliessen die akademischen Gepflogenheiten und schufen sich neue Möglichkeiten, ihre Sichtweisen einer nicht unbedingt vollendeten, aber doch beeindruckenden Welt darzustellen.

 

01 Sonnenuntergang

Claude Monet, Sonnenuntergang über der Seine (1880) Museum of Art (Foto: BS)

 

 

Freilichtmalerei eröffnet neue Sichtweisen

In der Renaissance war die Natur meistens Beiwerk zu Porträts oder geschichtlichen Szenen. Holbein, da Vinci, Michelangelo übten sich minutiös darin, die Haut eines gemalten Gesichts nicht ledrig, sondern lebendig erscheinen zu lassen. In Frankreich, seit Louis XIV. auf Paris ausgerichteter Zentralstaat, galt künstlerisch nur, was in der Metropole als richtig erschien. Spätestens aber nach der Erfindung der Fotografie suchten unabhängige Maler nach neuen Wegen, ihre Vorstellungen von der Welt mit neuen Formen zu komponieren.

 

02 Felsvorspruenge

Einer der ersten, der nicht nur in die Natur ging, um dort sein Skizzenbuch zu füllen,sondern es wagte, mit allen Malutensilien vor eine Landschaft zu sitzen und «en plain air»die für ihn richtige Atmosphäre eines Bildes zu suchen, war der aus Honfleur stammende Eugene Boudin (1824 bis 1898).

 

Er verstand es, junge Maler zu animieren, mit ihm an der Küste der Normandie nach malenswerten Sujets zu suchen. So nahm er auch den in Le Havre aufgewachsenen Claude Monet (1840 -1926) mit, der sich bereits mit 15 Jahren mit Karikaturen seiner Mitschüler und Lehrer einen Ruf geschaffen hatte. Boudin gelang es, die Sehweise des jungen Malers so zu schärfen, dass er flimmerndes Licht und abgründige Schatten in seine Landschaften brachte, dass er aus einer Frühmorgen-Nebel-Landschaft an der Seine eine geheimnisvolle Atmosphäre zu schaffen vermochte. Dabei wurde Monet selber inne, dass Schatten nicht unbedingt nur grau oder schwarz zu malen waren. Wenn er die Augen zusammenkniff, fühlte er mehr als dass er sah, wie ein Schatten sich blau oder dunkelrot verfärbte.

 

 Claude Monet, Felsvorsprünge bei Port-Domois(1886), Foto LW

 

 

Spottname wird zur Kunstrichtung

 

Bald fand bei Honfleur und Le Havre, später in Paris eine Gruppe unkonventioneller Maler zusammen, die in der freien Natur mit Farbe, Pinsel und Spachtel experimentierten. Sie merkten, dass es der flüchtige Augenblick ist, der einem Bild Leben einhaucht. Um diesen einzufangen, konnten Häuser und Bäume, Landschaften und Meeres-Buchten nicht wie von der Akademie gefordert minutiös und liniengetreu abgemalt werden. Es war die Farbe, welche wichtig wurde. In den schnell hingeworfenen Farbflecken begann das Bild zu leben.

 

In Paris kam dieser revolutionäre Kunststil, der noch nicht einmal einen Namen trug, schlecht an. Die dem Liebhaberinstinkt ihrer Kundschaft folgenden Kunsthändler blieben bei den verknöcherten und herausgeputzten Stilen der napoleonischen Heldenmalerei. Es waren Aussenseiter, wie ihre Günstlinge, welche den neuen Malern zu Ruhm und Bildverkäufen verhalfen.

 

 

 

 

Bild rechts: Claude Monet, Wiese bei Giverny im Herbst (1886), man beachte die Flüchtigkeit des Augenblicks mit licht und Schatten. (Foto: LW)

  03 Wiese

 

Claude Monet hat den «Impressionismus» weder erfunden noch allzu lange darin geschwelgt. Aber er verhalf der neuen farbenprächtigen Stilrichtung zu einem Namen: Sein Kunsthändler ärgerte sich über die fantasielosen Namen, die Monet seinen Werken gab wie «Sonnenaufgang an der Seine». Also verlieh Monet diesem Bild noch eine Bedeutung: «Impression , soleil levant». Der Kunstkritiker  Louis Leroy übernahm diese «Impression» und bezeichnete die ganze Reihe von Künstlern, die ähnlich wie Monet der Farbe statt der Linienführung  den  Vorzug gaben, die Bezeichnung «Impressionisten». Monet ärgerte sich zuerst darüber, liess es dann aber zu, dass der Impressionismus spätestens nach dem Ableben Napolons III. zu einem salonfähigen Namen der neuen Kunstrichtung wurde.

 

04 Fels vor dem Strand

Claude Monet, der Fels vor dem er am Strand sass und malte, als ihn die zurückrollende Flut überraschte. (Foto Lisa Wildi)

 

Monets Bildwelten, geprägt von Lichtreflexionen

Die Ausstellung im Beyeler-Gebäude, die am 20. Januar mit einer gut besuchten Pressekonferenz begann und bis 28. Mai dauert, vermittelt einen Querschnitt durch Monets Werk von 1857 bis zu seinem Todesjahr 1926. Claude Monet begeisterte sich zunächst für das Ufer der Seine, wo er Pappeln und andere Bäume sich im Wasser spiegeln liess. Dann erfuhr er die Gewalt des Wassers am Ärmelkanal, den normannischen Felsen und Klippen von Falaises und Etretat. Einmal, so schreibt er seiner Lebensgefährtin, habe er die Abfolge von Ebbe und Flut nicht beachtet und sei von einer Welle überrascht worden, die alle Farben und das abgefangene Bild wegspülte. Später entdeckte Monet ein same Plätze am Meer wie ein malerisches Zollhaus, das er gleich mehrmals aus verschiedenen Richtungen malte und dabei tiefer in das Geheimnis von Licht und Schatten eindrang. Monet begab sich auch oft auf Reisen, so schon während des deutsch-französischen Kriegs nach London, wo er Werke des eigentlichen Schöpfers des Impressionismus, William Turner (1775 – 1851) kennen und lieben lernte. Monets Brücken an der Themse, seine Darstellung der Türme des House of Parliament weisen Monet auch als Darsteller wuchtiger Gebäude aus. Sein Können vollendete er dann in der mehrmaligen Darstellung der gotischen Kathedrale von Rouen. – Einige wichtige, weil in kräftigeren Farben gemalte Bilder entstanden auch an der Mittelmeerküste, wo er andere Lichtverhältnisse als jene in Nordfrankreich vorfand und darstellte, so das Bild von Bordighera, dessen waldiger Vordergrund bis auf einen einzigen herausragenden Nadelbaum völlig abstrakt wirkt.

 

05 Seerosenbild

Claude Monet (1916-19) Seerosenbild aus Giverny, Fondation Beyeler (Foto BS)

 

Monets Alterswerk entstand in Giverny nahe Vernon, wo es dem unterdessen dank guten Verkäufen besser gestellten Monet gelungen war, ein grösseres Grundstück zu mieten und dann zu kaufen und zu vergrössern. Dort legte der naturbesessene Künstler seine Seerosenteiche an, die ihn zu unzähligen Bildern animierten. Der Ort ist heute noch ein Touristen-Mekka, wobei einzig die Teiche sehenswert sind, die im Haus ausgestellten Kopien von Monets Werken sind total veraltet und unbrauchbar. Trotzdem stauen sich im Sommer die Reisebusse vor Monets Anwesen und Tausende Touristen schieben sich eng gedrängt durch die Gartenanlage.

 

Sonderpreise und besondere Veranstaltungen

Die Fondation Beyeler sieht ihre Aufgabe weniger darin, einer Elite zu teurem Geld Kunsterlebnisse zu bieten. Vielmehr sollen insbesondere junge Menschen eingeführt werden in das einzigartige Werk von Claude Monet, in seine Sichtweise und sein Bemühen um die richtige Ambiance in seinen Landschaften. Deshalb sollen Jugendliche bis 25 gratis die Ausstellung besuchen können, Studenten und Senioren erhalten Ermässigungen. Während die Ausstellung selber spärlich mit Text, hauptsächlich Zitaten aus Monets Briefen, ergänzt wird (das Werk Monets soll für sich selber sprechen) ist der grosszügig gestaltete Ausstellungskatalog mit Beiträgen versehen, welche das Wesendes Malers und seiner Entourage, seine «Ménage à trois plus», besonders hervorheben.

Es werden auch verschiedene Zusatzveranstaltungen und Führungen durchgeführt, so beispielsweise «Monet am Morgen» (ab Dienstag, 24. Januar 2017 alle vierzehn Tage jeweils 7.30 bis 9.00 Uhr) Frühaufsteher können die Werke Claude Monets in morgendlicher Ruhe erleben. «Beginnen Sie den Tag mit einer Kuratorenführung oder einer begleitenden Meditation in der Ausstellung. Anschliessend kann im Restaurant Berower Park gefrühstückt werden!» rät der Beyeler-Veranstaltungskalender.

 

 

 

 

Fotoporträt von Claude Monet um 1888/90 TerraFoundation for American Art (LW)

 

07 Die Huette

 Claude Monet Die Hütte des Zollwärters (1882) Harvard Art Museum (BS)

 

Titelbild: Claude Monet, Felsen von Etretat (1886), gemeinfrei aus Commons.wikipedia.org

 

06 Portraet Monet